Geschichte - Kloster-Kreitz

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Geschichte


 Benedikt von Nursia (480-546) verfasste in Montecassino in Italien seine Ordensregel und schuf damit die Grundlage klösterlichen Lebens im Abendland. Die Benediktinerinnen halten sich an seine Richtschnur, „unter der Führung des Evangeliums wahrhaft Gott zu suchen“. Sie wollen in Gebet und Arbeit, Schweigen und Meditation offen sein für den Ruf des Herrn und die Anliegen der Menschen. Mechtilde de Bar (1614-1698), die in Paris das erste Kloster der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament gründete, verband benediktinische Spiritualität mit der Verehrung und Anbetung Christi im Altarssakrament. Somit prägen das feierliche Chorgebet, das tägliche Choralamt und die eucharistische Anbetung das Leben im Kloster Kreitz in Neuss-Holzheim auch heute.
 

Anno 1893 schreibt die Holzheimer Chronik: „Eine freudige Botschaft durcheilt unseren Ort; wir werden nämlich in unserer Gemeinde eine klösterliche Niederlassung erhalten, auf dem 3-4 Morgen großen Terrain, das am Kreitz, nahe Neuhs zu liegt, dicht neben dem Anwesen des Herrn Hoeveler... Der besten Aufnahme dürfen die Schwestern hier sicher sein, denn wir wissen, trotz der vielen heutzutage gegen das Ordensleben erhobenen Schmähungen, den Segen wohl zu schätzen, den solche Stätten reiner Gottesliebe bereiten.“ Aber erst drei Jahre später kam das grüne Licht: „Am 26ten Januar 1896, dem Geburtstag Sr. Majestät unseres erlauchten Kaisers Wilhelm II., wurden wir mit der Erlaubnis der Niederlassung unseres Ordens am Kreitz bei Neuhs von Seiten der Regierung sehr angenehm überrascht“, hieß es. Franz Hoeveler aus Holzheim war es, der die Klostergründung ermöglichte und sie großzügig unterstützte. Er vermachte sein gesamtes Vermögen den Benediktinerinnen vom Kreitz. Unter seiner Leitung wurde das Kloster nach den Plänen des Kölner Architekten Krings gebaut.

Im Jahr 1899 entstand das Kloster Kreitz schließlich als Ausgründung des überfüllten Klosters Mariahilf in Bonn-Endenich. Es wurde 1901 selbständig. Die Gebetsstätte wurde von der Bevölkerung sehr geschätzt, konnte man doch seine Nöte und Sorgen den Schwestern anvertrauen und ihrem Gebet anempfehlen. Erste Priorin war Maria Magdalena de l’Homme de Courbière, eine Offizierstochter aus Düsseldorf, die von 1901 bis 1925 amtierte. Die Ziegel für den Neubau wurden an Ort und Stelle gebrannt. Am 17. November 1898 konsekrierte Weihbischof Hermann Joseph Schmitz die Klosterkirche. Am 1. März 1899 kamen die ersten 25 Schwestern aus Endenich, um die Neugründung zu wagen. Die Bevölkerung begrüßte die kontemplativ lebenden Nonnen überaus herzlich und entwickelte rasch eine tiefe Zuneigung zu ihnen, die sich in vielfältigen Formen der Nachbarschaftshilfe aus den umliegenden Orten Holzheim und Grefrath zeigte. Der weitere Aufbau des Hauses erstreckte sich über mehrere Etappen.

Im Jahr 1915 eröffneten die Benediktinerinnen ihre Hostienbäckerei, die bis heute die Haupteinnahmequelle des Klosters bildet. Von Beginn an gab es außerdem eine Stickerei, die qualitätsvolle Paramente für Priester und Pfarrgemeinden sowie Fahnen für Schützen- und andere Traditionsvereine herstellte und erst in den 2010er Jahren eingestellt wurde. 

Eine 1907 mit Hilfe der Düsseldorfer Kartäuser aufgebaute Imkerei wurde 1928 zum letzten Mal erwähnt. Die zwölf Hektar große Landwirtschaft konnte kaum den Eigenbedarf des Konvents decken.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Benediktinerinnen „dienstverpflichtet“ und mussten für die Wehrmacht Zeltplanen nähen – eine harte Arbeit, denn Nähmaschinen gab es damals noch nicht.
 
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Soldaten im Kloster Kreitz  einquartiert, später entstand dort eine sogenannte Verbandstelle. Die Zeit des NS-Regimes überstanden die Benediktinerinnen unter großen Schwierigkeiten. Sie mussten im Auftrag des Militärs Ärmel- und Schulterabzeichen für die Uniformen anfertigen, nahmen den Auftrag aber bereitwillig an, weil sie so die Gewissheit hatten, in ihrem Kloster bleiben zu können. Geleitet wurden sie von Hildegardis Gorke, Priorin von 1925 bis 1949. 1941 nahmen die Schwestern einen Teil der Konvente der von den Nationalsozialisten aufgelösten Klöster Peppingen und Endenich auf. 1942 stellten sie einen Teil ihres Gebäudes dem ausgebombten Altenheim der Neusser Augustinerinnen zur Verfügung.


Im Mai 1943 zerstörte ein verheerender Bombenangriff das Kloster Kreitz nahezu völlig. Insgesamt 23 Benediktinerinnen und 16 weitere Menschen kamen dabei ums Leben. Die meisten überlebenden Schwestern waren schwer verwundet und wurden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Neun Schwestern blieben in den Trümmern wohnen, um die Aufhebung des Klosters zu verhindern. Als die damaligen Machthaber das Kloster beschlagnahmen und die Schwestern vertreiben wollten, entgegnete ihnen die Priorin mutig: „Ich weiche nur der Gewalt.“ Soweit kam es aber nicht.


In den 50er und 60er Jahren erlebte das nach dem Krieg aus den Trümmern wieder aufgebaute Kloster eine neue Blüte unter Leitung von Hildegard Hölscher, die von 1950 bis 1985 als Priorin wirkte. Die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden schnell umgesetzt. Die Trennung zwischen Chor- und Laienschwestern wurde aufgehoben und das Chorgebet in deutscher Sprache eingeführt

Die 70er Jahre brachten trotz des kontinuierlichen Rückgangs der Mitgliederzahl zahlreiche Modernisierungen und Neuerungen. Das Kloster öffnete sich durch die Aufnahme von Gästen und erschloss sich so eine weitere Einnahmequelle. 1972 musste die Apsis der Klosterkirche der unmittelbar am Kloster vorbeiführenden Autobahn 46 weichen. Seit 1977 gibt es für junge Frauen die Möglichkeit, durch einen „Kloster-auf-Zeit“-Aufenthalt das Leben der Benediktinerinnen kennenzulernen.


Im Jahr 1988 gründeten engagierte Holzheimer Bürger den „Freundeskreis Kloster Kreitz“, um den Benediktinerinnen unter Leitung der von 1985 bis 2001 amtierenden Priorin Mechtilde Stöckmann mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die damals geplante Erweiterung der Autobahn 46 auf sechs Spuren hätte gravierende Konsequenzen für die Schwestern gehabt. Ein weiterer Abriss von Teilen ihrer Kirche wäre unvermeidbar gewesen, konnte aber abgewendet werden. Außerdem wurden erfolgreich Gespräche mit Kommunalpolitikern geführt, um etwa das befürchtete große Baugebiet unmittelbar vor den Toren des Klosters zu verhindern. Dafür wurden zum Teil umfangreiche Projekte realisiert vom Bau einer Lärmschutzwand an der Autobahn bis zur Renovierung der Kirche. 1994 sahen sich der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner und der Apostolische Nuntius Erzbischof Lajos Kada, der päpstliche Botschafter in Deutschland, die Fortschritte an.

Das Jubiläumsjahr 1999 stand ganz im Zeichen des 100-jährigen Bestehens des Klosters, zu dem auch eine Festschrift erschien. „Gerade in einer Zeit, in der die Menschen Gott und der Kirche vielfach gleichgültig gegenüberstehen, haben Klöster eine wichtige Aufgabe. Sie müssen Brennpunkte der Spiritualität bilden, die in die Gesellschaft hinein ausstrahlen. Sie müssen Zeit und Zeichen Gottes in einer Umwelt sein, die ihren Herrn immer mehr zu vergessen scheint“, schreibt Kardinal Joachim Meisner darin.

Das Jahr 2001 war das Jahr der Wahl von Bernharda Wichmann zur neuen Priorin. Sie wurde 2013 auch Präsidentin der „Deutschen Föderation der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament“. Die Wiederaufforstung des Klostergartens nach dem Sturm „Kyrill“, die  Modernisierung des Brandschutzes oder die Renovierung der Orgel standen in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts außerdem im Blickpunkt. Der Freundeskreis unterstützte auf ideelle und finanzielle Weise alle Vorhaben.

Im Jahr 2015 wird der Konvent international durch zwei junge Frauen aus dem afrikanischen Uganda, die Postulat beziehungsweise Noviziat begannen und Sprachkurse absolvieren. Heute zählen die Benediktinerinnen im Kloster Kreitz insgesamt 11 Mitglieder.


 
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